12.01.2010

Kunst kaufen ist keine Kunst

Hand aufs Herz: Was wäre eine Wohnung, was wäre ein Haus ohne individuelle Dekoration? Was wären Wände ohne Bilder? So viel steht fest: Gähnende Leere, wo man nur hinblickt – dafür ist das menschliche Auge einfach nicht gemacht! Nicht, dass man jeden Winkel und jede Ecke seines Wohnbereichs zustellen müsste, dass man die Wände vor lauter Bildern nicht mehr sehen sollte. Aber ein bisschen Kunst darf es schon sein. Zum Glück braucht man heutzutage kein Vermögen mehr für Wandbilder auszugeben. “Kunstdrucke” lautet das Stichwort.

Der bekannte Pop Art-Künstler Andy Warhol hat einmal gesagt: “Jeder ist für fünfzehn Minuten berühmt.” Diese Idee konsequent weitergedacht, kann nicht nur jeder ein Künstler sein, sondern auch ein Kunstsammler! Möglich gemacht hat dies die Technik des Kunstdruckes, dank der man heute die raffiniertesten und wertvollsten Gemälde originalgetreu nachdrucken kann – auf Wunsch gern auch ausschnittsweise, vergrößert oder verkleinert, wie man es eben braucht. Michelangelos “Die Erschaffung Adams” beispielsweise kennt mancher nur als zwei Hände, deren Zeigefinger sich berühren.

Dabei handelt es sich nur um einen kleinen Ausschnitt des Gesamtkunstwerks. Und wer nicht genug Platz für einen Picasso, einen van Gogh oder einen Rembrandt im Originalformat hat, der nimmt seinen Kunstdruck eben eine Nummer kleiner. Weiß ja ohnehin jeder, dass es sich bei den guten Stücken nicht um “echte” handeln kann – zumal bei aller Reproduktionskunst die Pinselführung, speziell bei Ölgemälden, nicht annähernd übertragen werden kann. Aber so viel Echtheit ist ja auch gar nicht gewünscht. Geschweige denn wird Einzigartigkeit angestrebt. Warum nicht seinen Kunstgeschmack mit anderen teilen? Seine Kleidung kauft man schließlich von der Stange, warum nicht auch die Wandbilder?

Und besser ein guter Kunstdruck vom Lieblingsmaler als irgendein unschönes dahingepinseltes Möchtegern-Kunstwerk. Schließlich kann man seinem Dürer, Dali oder da Vinci, seinem Magritte, Monet oder Marc ja noch durch die Auswahl des Rahmens einen Hauch Individualität verleihen. Denn ob Holz-, Alu- oder Kunststoffrahmen, rahmenloser Bilderhalter, Barock- oder Biedermannrahmen, ob vom Stil passend zum Kunstdruck oder als bewusster Kontrast gesetzt – erst der Rahmen macht das Wandbild. Obwohl … So ein Kunstdruck geht sogar als Poster, wie man in so mancher Studentenwohnung beobachten kann. Auch für Kunstdrucke gilt: Platz ist in der kleinsten Hütte. Und das Bedürfnis eines jeden Menschen danach, seinen Wohn- und Lebensraum nach seinem Gusto zu gestalten, ist fundamental. Wie gut, dass es heute so einfach ist, Kunst zu kaufen …

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Kommentare

Früher hatte ich kein einziges Bild und habe die Monotonie irgendwann nicht mehr ertragen.
Stimmt schon, dass einen die Bilder an der Wand beeinflussen. :-)

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